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Amandla Awethu!

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Olga David: »Barack – Angel – Vladimir – BAV«. 150x100 Zentimeter, Öl auf Blattgold auf OSB-PlatteOlga David: »Barack – Angel – Vladimir – BAV«. 150x100 Zentimeter, Öl auf Blattgold auf OSB-PlatteDie realistische, figurative Kunst ist wieder im Kommen, erstmals seit den 70er Jahren. Das hat mit den gesteigerten Aggressionen der Rechten zu tun. Trump in den USA, Erdogan in der Türkei, Pegida in Dresden, der Aufstieg der AfD – da ist keine Zeit mehr für die lustige Ironie und abstrakte Verrätselung der 80er und 90er Jahre.

Für den Maler Michael Chrapek von der Berliner Künstlergruppe »Tendenzen« geht es »um naturalistisch-realistische Kunst«. Idealerweise sollen die Betrachter »ohne besondere künstlerische Vorbildung erkennen, was denn der liebe Künstler meint. Ohne dass sie einen langen Zettel als Erklärung dazu durchlesen müssen.«

»Tendenzen« steht quer zum kommerziellen, selbstbezogenen Kunstmarkt. Ihr Maler Ahmad Majd Amin sagt: »Wir sind freie Maler, aber wir leben nicht in einer freien Gesellschaft. Ich würde mich als Künstler in einem geschlossenen Raum beschreiben, der Demokratie genannt wird.«

Künstlerische Phantasie ist politische Phantasie. »No pasaran! Die Reaktionäre werden nicht durchkommen!« heißt die vierte »Tendenzen«-Ausstellung, die nächsten Samstag auf der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz im Mercure-Hotel in Berlin-Moabit stattfindet. Die Gruppe hatte Künstlerinnen und Künstler aufgefordert, passende Beiträge zur Verfügung zu stellen.

Gezeigt werden 45 Werke von 20 Künstlern, ein paar davon sind schon auf dieser Doppelseite zu sehen. Majd Amin malt alte Olivenhaine in Palästina und Ute Donner die neue Silvio-Meier-Straße in Berlin-Friedrichshain, Symbole gegen die Gewalt. Donner hat 2016 auch den neugeschaffenen Silvio-Meier-Preis erhalten. Der Hausbesetzer war 1992 im Alter von 27 Jahren im U-Bahnhof Samariterstraße von Neonazis ermordet worden. Ute Donner hat sich unter anderem um eine Gedenktafel für ihn gekümmert, die immer wieder zerstört oder entfernt wurde.

»Kann mir das mal jemand erklären?« heißt eine Montage der Künstlerin Fidels Daughter. Sie thematisiert die fast totale staatliche Überwachung von allem und jedem, einschließlich der freiwilligen Selbstüberwachung der Nutzer der sogenannten sozialen Netzwerke. Die Erklärung wird nicht von den großen Staatschefs kommen, die kennen nur die Zeichensprache der Macht, wie sie David Olga im Stil der Ikonenmaler darstellt. Und wer sich das erklären lässt, der wird Goyas »Schlaf der Vernunft«, der Ungeheuer gebiert und den die Dortmunder Künstlerin Ursula »Ula« Richter aktualisiert hat, endlich beenden, um wieder wie vor fast 50 Jahren gegen den Wahnsinn zu revoltieren. Oder wie vor 100 Jahren in Russland.

Da geht es hoch hinauf, wie es Clementine Klein schon 1969 in ihrer Ätzradierung »Revolte1« nach einem Gedicht des Beat-Dichters Michael McClure, angedeutet hat. Denn die Ziele können nicht hoch genug gesteckt sein, wenn einem tagtäglich das Kleinklein des Du-kannst-doch-nichts-machen eingeredet werden soll. Das Motto der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz heißt ja auch auch: »Gegen rechts ist nicht genug – sozialistische Alternativen erkämpfen!«

Erschienen am 7. Januar 2017 in der Tageszeitung junge Welt

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