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Nachdem der venezolanische Tanker »Manuela Sáenz« am Sonnabend in der zentralkubanischen Hafenstadt Cienfuegos 47.144 Tonnen Rohöl gelöscht hat, ist das Land im Energiesparmodus. Die nächste Treibstofflieferung wird erst in rund zwei Wochen erwartet, und die Reserven reichen nicht annähernd aus, den Bedarf des Landes zu decken. Grund für den aktuellen Engpass sind verschärfte US-Sanktionen. Washington droht allen Reedereien, deren Schiffe Öl zwischen Venezuela und Kuba transportieren, mit drastischen Strafmaßnahmen. Die Regierung in Havanna rechnet damit, dass sich die Situation im Oktober wieder entspannt. Doch bis dahin, hatte Präsident Miguel Díaz-Canel bereits am Mittwoch angekündigt, werde es Probleme bei der Stromversorgung, im öffentlichen Nahverkehr und beim Warentransport geben. »Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass die Lage vom 15. September an nicht normal sein wird«, so der Staatschef.

Seit dem Wochenende sind die Auswirkungen überall spürbar. Außerhalb der Spitzenzeiten des Berufsverkehrs wurden die Fahrpläne ausgedünnt. Transportminister Eduardo Rodrí­guez Dávila erläuterte, dass die Hauptverkehrslinien und solche, an denen Krankenhäuser liegen, bevorzugt bedient werden. Auch Lastwagen und Pkw werden zu Transportmitteln des öffentlichen Nahverkehrs umfunktioniert. Inspektoren organisieren Mitfahrgelegenheiten und achten darauf, dass Fahrzeuge staatlicher Betriebe und Einrichtungen Leute mitnehmen. »Kein Auto sollte leer fahren«, appellierte Díaz-Canel. In einem Forum der Tageszeitung Juventud Rebelde berichteten Leser, dass sich einige Chauffeure zwar egoistisch, viele jedoch solidarisch verhielten.

All das werde allerdings nicht ausreichen, um den Transport wie gewohnt aufrechtzuerhalten, räumte Díaz-Canel am Freitag zum Auftakt einer Reise ein, auf deren Stationen er die Energiesparmaßnahmen erläutern will. Nach Auffassung des Präsidenten könnten die Erfahrungen im Umgang mit der aktuellen Krise für Kuba allerdings auch hilfreich sein, berichtete das Onlineportal Cubadebate am Sonnabend. Díaz-Canel spielt damit auf die Entscheidung der Regierung in Havanna an, mit Erdöl betriebene Kraftwerke in den nächsten Jahren durch Solar- und Windanlagen zu ersetzen. Dem Plan zufolge will das Land bis 2030 rund ein Viertel seines Bedarfs aus erneuerbaren Energiequellen decken. Die Krise könnte sich langfristig positiv auf die beschleunigte Entwicklung einer alternativen Energieversorgung auswirken und Kuba damit auch in diesem Bereich zum Vorreiter im globalen Süden machen. Die USA hingegen setzen darauf, dass die Bevölkerung die derzeitigen Einschränkungen nicht hinnehmen wird.

Bisher bleibt der von Washington erhoffte Massenprotest jedoch aus. Im Gegenteil. »Das ist jetzt ein Moment, in dem wir zusammenstehen müssen«, zitierte die Gewerkschaftszeitung Trabajadores einen Beitrag der Professorin Inalvis Medina González auf dem Kongress der Krankenschwestern und Pfleger, der am Wochenende in Havanna beendet wurde. Einsparungen im öffentliche Nahverkehr könnten verkraftet werden. Die Projekte im Gesundheitswesen müssten aber fortgesetzt werden können, so die Wissenschaftlerin. Gesundheitsminister José Ángel Portal Miranda hatte zuvor erklärt, dass »mit Blick auf die komplexe internationale epidemiologische Situation« noch im September eine landesweite Kampagne gegen die Aedes-aegypti-Mücke, die Hauptüberträgerin des Dengue-Fiebers, durchgeführt werde. »Nichts und niemand wird unsere Arbeit aufhalten«, betonte die am Krankenhaus Miguel Enrique in Havanna tätige Informatikprofessorin Tania Pérez Valladares.

Während die eingeleiteten Energiesparmaßnahmen in der Öffentlichkeit und den Medien differenziert reflektiert werden, warnte die Parteizeitung Granma vor einer von Kräften aus den USA geförderten Desinformationskampagne, nach der das Land vor einer neue Sonderperiode stehe. »Kuba ist nicht gelähmt«, trat Wirtschaftsminister Alejandro Gil Fernández derartigen Berichten entgegen.

Erschienen am 16. September 2019 in der Tageszeitung junge Welt

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