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Indira García Arredondo ist Ärztin, lebt in Kuba und arbeitete mehrere Jahre in Venezuela und Brasilien. In den vergangenen Wochen hat sie bei einer Reihe von Veranstaltungen in der Bundesrepublik und der Schweiz ihre Arbeit vorgestellt.

Sie haben als kubanische Ärztin in Venezuela und Brasilien gearbeitet. Was haben Sie dort erlebt?

In Venezuela habe ich zwischen 2011 und 2013 im Bundesstaat Portuguesa gelebt und in einer Arztstation gearbeitet. Diese war in einem Viertel eingerichtet worden, das im Rahmen des großen venezolanischen Wohnungsbauprogramms neu entstanden ist. Insgesamt wurden dort drei medizinische Betreuungseinrichtungen eröffnet. Wir haben Menschen aus allen sozialen Schichten behandelt, vor allem aber Angehörige der unteren Mittelschicht und ärmere Leute. Nachdem ich anschließend einige Jahre in meiner Heimat war, habe ich mich 2016 dem Programm »Mais Médicos« in Brasilien angeschlossen und dort im Bundesstaat São Paulo gearbeitet. Auch dort haben wir Patienten unterschiedlichster Herkunft versorgt. Ein Unterschied ist aber, dass unsere Einrichtung dort in einem Hospital untergebracht war und nicht direkt im Viertel bei den Einwohnern, wie in Venezuela. Ich bin bis November 2018 in Brasilien geblieben, bis wir kubanischen Ärzte aufgrund der Drohungen des neugewählten Präsidenten Jair Bolsonaro abgezogen wurden.

Inzwischen leben Sie wieder in Kuba. Sind Sie an Ihren früheren Arbeitsplatz zurückgekehrt?

Ja, und ich arbeite wieder als Ärztin. Ich besuche allerdings außerdem Sprachunterricht, um Französisch zu lernen. Damit möchte ich mich darauf vorbereiten, im Bedarfsfall auch in ein französischsprachiges Land gehen zu können.

Im Zusammenhang mit der Arbeit kubanischer Ärztinnen und Ärzte im Ausland erheben insbesondere die USA schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Havanna. Die Rede ist von Menschenhandel, Sklaverei, … Wie stehen Sie dazu?

Diese Vorwürfe sind nichts anderes als ein weiterer Angriff auf unser Land. Ihnen fällt einfach nichts mehr ein, wie sie uns noch attackieren können. Und die Kritik hat keinerlei Grundlage, denn wir gehen absolut freiwillig in unsere Einsätze, wir werden dazu nicht gezwungen. Das sind Entscheidungen aufgrund der Lage in den Ländern, die unsere solidarische und humanitäre Hilfe brauchen. Wir sind auf keinen Fall Sklaven. Unsere Einsätze werden durch Regierungsabkommen geregelt, und wir erhalten ein Stipendium, um unsere Grundbedürfnisse im jeweiligen Land befriedigen zu können. Das ist kein Gehalt, denn zugleich erhalten wir in unserem Land unseren vollen Lohn weiter.

Der zum Beispiel von Bolsonaro erhobene Vorwurf lautet aber, dass der kubanische Staat mehr für Ihre Arbeit einnimmt, als er Ihnen auszahlt.

Unsere Tätigkeit in Brasilien war das Ergebnis eines dreiseitigen Abkommens zwischen Brasilien, der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation und der kubanischen Regierung. Es ist richtig, dass nur ein Teil der Summe, die Kuba nach dieser Vereinbarung erhalten hat, an uns ausgezahlt wurde. Aber dabei handelte es sich, wie gesagt, um eine Entschädigung, nicht um die Entlohnung. Der übrige Teil des Geldes ist in die medizinischen Dienstleistungen in unserem Land selbst geflossen, um das Recht der Kubaner auf kostenfreie Gesundheitsversorgung gewährleisten zu können. Ein Teil des Geldes wird außerdem für den Erwerb von Gerätschaften und Materialien aufgewendet, die für Katastrophenfälle bereitstehen sollen, bei denen wir zu Hilfe kommen und alle notwendigen Mittel selber mitbringen.

Was passiert mit einem kubanischen Arzt, der nicht ins Ausland gehen will?

Dem passiert gar nichts. Er arbeitet ganz normal und unter den gleichen Bedingungen weiter wie bisher.

Und es gibt auch keinen Druck, zum Beispiel sozialen?

Nein, auf keinen Fall. Wir sind alle Menschen, wir haben alle unsere eigenen Probleme. Wenn ein Arzt oder ein anderer Beschäftigter des Gesundheitswesens unser Land nicht verlassen will, zum Beispiel weil er ein persönliches Problem hat, dann ist das so. Wir sind Humanisten und Internationalisten, aber manchmal gibt es private Dinge, die Vorrang haben müssen. Das hat keine negativen Folgen.

Kuba ist seit mehr als einem halben Jahrhundert einer Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade durch die Vereinigten Staaten unterworfen. Unter anderem verbietet Washington US-Unternehmen den Handel mit Ihrem Land. Woher bekommen Sie die benötigten Medikamente und Geräte?

Wir entwickeln viele Medikamente selbst und stellen sie selbst her. Wir haben dazu unsere eigene pharmazeutische Industrie geschaffen. Problematisch ist allerdings der Erwerb der benötigten Rohstoffe. Schlimme Auswirkungen hat die Blockade auch für Kinder mit chronischen Erkrankungen, die besondere Arzneien benötigen, die wir im Ausland kaufen müssen. Wir müssen uns dazu dann an Drittländer wenden, und dadurch müssen wir sehr viel mehr bezahlen, als wenn wir direkt beim Erzeuger einkaufen könnten.

Erschienen am 21. September 2019 in der Tageszeitung junge Welt

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