Konferenz 2016

Ellen Brombacher. Foto: Gabriele SenftEllen Brombacher. Foto: Gabriele Senft

Ellen Brombacher ist Sprecherin des Vorbereitungsbündnisses zur Liebknecht-Luxemburg-Demonstration. Auf der Rosa-Luxemburg-Konfernz wird sie an der Podiumsdiskussion teilnehmen, die unter dem Motto steht »Kröten schlucken oder Zähne zeigen: Ist die Linke noch zu retten?«

Demonstration im Rahmen der Liebknecht-Luxemburg-Ehrung: Sonntag, 10. Januar 2016, 10 Uhr, U-Bahnhof Frankfurter Tor, Berlin

Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts Todestag liegt nun fast 97 Jahre zurück. Warum ist ein Gedenken an beide noch heute notwendig?

Beide stehen, gemeinsam mit anderen, ganz besonders für Widerstand gegen Krieg, für Antikapitalismus, und beide haben eine herausragende Rolle bei der Gründung der KPD gespielt. Sie sind ein Symbol für den aufrechten Gang eines jeden, der sich als Sozialist oder Kommunist sieht.

Was zeichnet eine dezidiert linke Gedenkkultur aus?

Die Gedenkkultur der Luxemburg-Liebknecht-Ehrung ist geprägt durch eine große Breite Linker verschiedenster Couleur, die sich am stillen Gedenken und an der Demonstration beteiligen. Wir haben es über die Jahre fertiggebracht, im Demobündnis stets die Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt zu stellen und nicht Trennendes. Anders hätte die Demonstration in Anbetracht der Anfeindungen, die sie über die Jahre mehr oder weniger »begleiteten«, nicht überlebt.

Sie haben bereits den Antimilitarismus Luxemburgs und Liebknechts als eine ihrer hervorragendsten Leistungen genannt. Welche Aspekte davon können wir aktuell übernehmen?

Leider ist Antimilitarismus aktueller denn je. Wir brauchen uns nur die Welt anzusehen, wie sie heute ist. Die Kriegsgefahr ist beängstigend. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es nie so viele Kriege und militärische Konflikte und nie so viele Flüchtlinge. Es ist letztlich das kapitalistische System, das diese Situation zu verantworten hat. Wir können und müssen daher an den Antikapitalismus Luxemburgs und Liebknechts anknüpfen. Wir bewahren die Tradition ihres Kampfes, indem wir für ganz aktuelle, lebenswichtige Forderungen auf die Straße gehen: gegen Krieg, gegen Nationalismus und Chauvinismus, für eine solidarische Gesellschaft. Ich denke, dass die Luxemburg-Liebknecht-Demonstration und ebenso das stille Gedenken in diesem Sinne auch Teil der Friedensbewegung sind. Das Demobündnis ist deshalb auch sehr froh darüber, dass auf dem Kasseler Friedensratschlag, der vor kurzem stattgefunden hat, beschlossen wurde, dass die Demonstration unterstützt wird. Das ist sehr wichtig und in dieser Direktheit erstmalig.

Wird die Demonstration auch einen Bezug zu aktuellen Kriegen und der Flüchtlingskrise haben?

Da bin ich mir sicher. Wir können den Demonstrationsteilnehmern natürlich keine Vorschriften machen. Wir haben einen Rahmen, unseren Aufruf, den die verschiedenen Gruppierungen und Parteien, die dem Bündnis angehören, zusammen erarbeiten. Dieser erhält politische Unterstützung durch Unterschriften. Innerhalb dieses Rahmens gestalten die verschiedenen Teilnehmer zumeist ihre Blöcke aus. Da gibt es natürlich Unterschiede; nicht über jede Losung und über jedes Bildnis ist das Demobündnis glücklich. Aber ebenso sicher ist, dass unabhängig von den Unterschieden zwischen den Demoteilnehmern sich die Gemeinsamkeiten in Losungen gegen den Krieg, gegen Rassismus und Faschismus und in Solidaritätslosungen ausdrücken werden.

Sie betonen die Gemeinsamkeiten der Demonstrationsteilnehmer, dennoch kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Provokationen und auch die Polizei tritt mit immer mehr Beamten am Friedhof auf. Wie geht das Bündnis mit dieser Situation um?

Wir schenken diesen Dingen nicht mehr Beachtung als unbedingt notwendig. Auf Provokationen reagiert man ja bekanntlich nicht dann am klügsten, wenn man das tut, was die Provokateure wollen. Auch hier muss man selbstbestimmt agieren. Wenn da also welche am Rand stehen mit provokanten Losungen, ist es am besten, sie souverän am Rand stehen zu lassen.

Erschienen am 29. Dezember 2015 in der Tageszeitung junge Welt

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