Konferenz 2015

Mumia Abu Jamal. Foto: jW-ArchivMumia Abu Jamal

Der in den USA inhaftierte Journalist Mumia Abu-Jamal wandte sich auch in diesem Jahr mit einer Grußbotschaft an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der XX. Rosa-Luxemburg-Konferenz:

Meine Freunde! Wie geht’s? Bewegung!

Für Zehntausende junger Menschen in Amerika ist der Protest gegen Polizeigewalt und staatlichen Terrorismus zur Zeit an der Tagesordnung. Sie gehen jeden Tag auf die Straße, überall in den USA, im Norden, im Westen, im Süden und im Osten, egal wie das Wetter ist.

Keine offizielle Organisation lenkt diese mutige Leistung, und die traditionellen Führer der Bürgerrechtsbewegung spielen kaum eine Rolle. Die Demonstrationen sind vor allem die Antwort der sozialen Medien und der Jugend selbst.  Sie sind unmittelbar und ungefiltert von politischen Parteien. Sie sind von diesen Parteien unabhängig und deshalb in der Lage, ihr Anliegen mit eigenen Stimmen und in eigenen Worten auszudrücken.

Deshalb sehen und hören wir Sprechchöre wie „Hände hoch - nicht schießen“, „Ich kann nicht atmen“, „Knast für die Killer-Cops“ und so weiter. Keine traditionelle Partei mit Blick auf ihre Gründer und Unterstützer würde es wagen sich so zu äußern.

Aber nichts davon wäre ohne Ferguson/Missouri geschehen. Es war die krasse, schonungslose Demonstration der Repression des bewaffneten Staates gegen die Empörung der unbewaffneten schwarzen Jugend. Wir konnten sehen, dass Scharfschützengewehre, Automatikwaffen und sogar gepanzerte Transporter und städtische Panzer all die Menschen nicht stoppen konnten, die entschlossen gegen Polizei-Repression marschierten.

Diese Bilder leuchteten auf im ganzen Land und rund um die Welt und entzündeten Proteste in beinahe 200 Städten. Sie zerstörten die Illusion, die Medien und Politik ständig heraufbeschwören – dass Amerika eine 'Gesellschaft ist, die den Rassismus überwunden hat'. Sie zeigten die Machtlosigkeit der schwarzen Politiker, das Leben der schwarzen Durchschnitts-Bevölkerung 'freier' zu machen. Es ist gut möglich, dass Ferguson Amerikas Tahir-Platz wird - der Ausgangspunkt des Widerstandes gegen die gigantische soziale Ungerechtigkeit.

Die anhaltenden Proteste in Ferguson richten sich dagegen, dass die Polizei einfach straffrei töten darf -  vor allem dann, wenn das Zielobjekt schwarz ist. Wenn Polizisten töten, stellt das System sich schützend hinter die Mörder  – mit geheimen Geschworenengerichten, strafrechtlichen Winkelzügen, und, wenn alles andere scheitert, dem Schutz des juristischen Apparats, der buchstäblich garantiert, dass jede Verurteilung aufgehoben wird.

Das ist es, was Ferguson gezeigt hat. Das schmutzige kleine Geheimnis der Polizei-Immunität in amerikanischen Städten und ihren Ghettos.

Ein deutsches Publikum mit einem Geschichtsgedächtnis von Begriffen wie 'Untermenschen' muss das Konzept eines straffrei mordenden Staates grauenhaft finden.

Aber lasst uns Klartext reden: Das schwarze Amerika ist trotz Glitter und Pop eine unterdrückte Community. Sie wird ökonomisch ausgebeutet wie in Ferguson, wo tausend Gebühren und Ordnungsstrafen die Bevölkerung mit Erzwingungshaft bedrohen, wenn sie die maßlos übertriebenen Gerichtskosten nicht zahlen können. Diese Gelder unterstützen eine überwiegend weiße, jedoch jämmerlich nicht-repräsentative Regionalregierung – etwas, das einst zu einer Kernforderung der amerikanischen Revolution führte, nämlich „Keine Besteuerung ohne Vertretung“.

Überall im Land sind Schwarze die Opfer einer beispiellosen Masseninhaftierung, die ihnen, wie die Rechtswissenschaftlerin Michelle Alexander in ihrem Buch 'The New Jim Crow' beschrieben hat, den Zutritt zu jedem anderen Teil des amerikanischem Lebens verwehrt. Kaputte öffentliche Schulen, abgelehnt bei Arbeitsstellen, und Schikanen auf der Straße für "Walking While Black", "Driving While Black" oder gar "Talking While Black" – das Leben ist für Millionen im schwarzen Amerika oft und viel zu oft die Hölle auf Erden.

Diese Realität entfachte Ferguson und  initiierte ähnliche Massenbewegungen im ganzen Land. Diese Bewegungen wachsen. Ich hoffe, das tun sie weiter.

Meine Brüder und Schwestern, danke für Eure Zeit.

Aus der Nation der Gefangenen,

Mumia Abu-Jamal

Unterstützer der Rosa-Luxemburg-Konferenz 2015

Das Plakat 2015

Plakat der Rosa-Luxemburg-Konferenz 2015

Broschüre 2015

Broschüre zur XX. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz

Dokumentation sämtlicher Beiträge der XX. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz vom 10.Januar 2015
Beiträge u.a. von: Oskar Lafontaine, Radhika Desai, Alex Rosen, Sharon Dolev, Hans Modrow
70 Seiten; 3,60 Euro

Zu bestellen im jW-Shop

2015 zu Gast

Radhika Desai

Radhika Desai, Ökonomin, Universität Manitoba, Kanada (Foto: privat)

 

Otto Koehler

Otto Köhler, Publizist (Foto: christian-ditsch.de)

 

Hans Modrow

Hans Modrow, eheml. DDR-Ministerpräsident, Vorsitzender des Ältestenrates der Partei Die Linke (Foto: Hans Modrow)

 

Oskar Lafontaine

Oskar Lafontaine, Politiker und Publizist (Foto: Roland Weihrauch/dpa)

 

Peter  Mertens

Peter Mertens, Vorsitzender der Partei der Arbeit Belgiens (PVDA/PTB) (Foto: PTB)

 

willy wimmer

Willy Wimmer, Politiker, ehem. Vizepräsident der OSZE (Foto: CDU/CSU)

 

Sharon Dolev

Sharon Dolev, Gründerin und Direktorin der Regionalen Friedens- und Abrüstungsbewegung in Israel (Foto: privat)

 

Dota Kehr

Dota Kehr (Die Kleingeldprinzessin) mit Jan Rohrbach und Special Guests (Foto: Sophie Krische)

 

Banda Bassotti

Gian Paolo »Picchio« Picchiami, Sänger der italienischen Band Banda Bassotti (Foto: Banda Bassotti)

 

The Pokes

The Pokes, Berlins No. 1 Folkpunk-Band (Foto: The Pokes)

 

Iwan Rodionow

Iwan Rodionow, Chefredakteur von RT Deutsch, Russland (Foto: Screenshot Youtube)

 

Linn Washington

Linn Washington, Journalist, USA (Foto: privat)

 

Mumia Abu Jamal

Mumia Abu-Jamal, Journalist, politischer Gefangener (USA) (Foto: jW-Archiv)

 

Rolf Becker

Rolf Becker, Schauspieler (Foto: jW)

 

Volker Hermsdorf

Volker Hermsdorf, Journalist, jW-Autor (Foto: privat)

 

Zum Seitenanfang