Kampf um die Zukunft

junge Welt Melodie und Rhythmus

Unterstützerinnen und Unterstützer der Rosa-Luxemburg-Konferenz 2020

Bis vor einem Jahr sah es danach aus, dass der am 4. Juni 1965 in Havanna geborene Aufklärer Gerardo Hernández Nordelo nie mehr frei und in seiner Heimat Kuba sein würde. Nach dem Willen der US-Behörden sollte er im Gefängnis sterben. Am 12. Dezember 2001 hatte ihn ein Gericht in Miami zu einer Strafe von zweimal lebenslänglich plus 15 Jahren verurteilt. Zusätzlich zur Anklage wegen »Konspiration« und »Konspiration zur Verübung von Spionage« war Gerardo – als einziger der »Cuban Five« – auch wegen »Konspiration zur Verübung von Mord« angeklagt worden. Ihm wurde der Tod von vier Piloten der Terrororganisation »Hermanos al Rescate« (Brüder zur Rettung) angelastet, deren Flugzeuge am 24. Februar 1996 nach wiederholtem Eindringen in den kubanischen Luftraum abgeschossen worden waren. Obwohl Gerardo und seine Anwälte alle Vorwürfe widerlegen konnten und die Anklage keine Beweise vorlegte, wurde Havannas Kundschafter schuldig gesprochen und verurteilt. Die Contra-Gemeinde in Miami jubelte. Zum Abschluss des Prozesses zitierte Gerardo vor Gericht den Helden der USA, Nathan Hale, der 1776 unter dem Vorwurf ein Spion zu sein, von den Engländern gehängt worden war und auf dem Weg zum Galgen gesagt hatte: »Ich habe nur zu bedauern, dass ich nur ein Leben habe, welches ich meinem Land schenken kann.«

Während seine Genossen René González und Fernando González nach Verbüßung der Strafen in ihre kubanische Heimat zurückkehren konnten und das lebenslange Strafmaß für Antonio und Ramón in Revisionsverfahren reduziert wurde, blieben die Aussichten für Gerardo düster. Nach dem Willen der US-Justiz sollte Antonio Guerrero erst 2020 entlassen werden und Ramón Labañino 2028. Gerardo Hernández sollte nie freikommen. Die Haftbedingungen waren grausam. Seiner Ehefrau Adriana Pérez O’Connor, mit der er seit 1988 verheiratet ist, wurde verweigert, ihn besuchen zu können. Das Ehepaar sollte kinderlos bleiben, die Familie ausgelöscht werden.

Im Zuge der monatelangen Geheimverhandlungen über einen Gefangenenaustausch wurde Gerardo von den US-Behörden dann aber im Jahr 2014 erlaubt, Sperma für eine künstliche Befruchtung abzugeben. Am Morgen des 6. Januar 2015, 20 Tage nach Gerardos Ankunft in Kuba, brachte Ehefrau Adriana um 8.30 Uhr in Havanna ein gesundes Mädchen, Gema Hernández Pérez, zur Welt. Er sei jetzt »überglücklich«, sagte der Vater aufgeregt und fügte hinzu: »Ich hätte mir ein solches Glücksgefühl nicht vorstellen können.« Am 9. Januar 2016 wird Gerardo Hernández auf der XXI. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin begrüßt.

Von Kuba lernen, mit Kuba feiern

Die Solidarität mit dem sozialistischen Kuba ist traditionell ein Schwerpunkt der von junge Welt veranstalteten Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenzen. Unter dem Motto »Kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun: Selber tun!« bietet die XXI. Konferenz am 9. Januar 2016 im Urania-Haus aus und über Kuba jedoch ganz besondere Highlights.

– Mit Gerardo Hernández wird zum ersten Mal ein Mitglied der als »Cuban Five« bekannt gewordenen Aufklärergruppe in Deutschland begrüßt. Wie seine vier Genossen verhinderte der mit dem Titel »Held der Republik Kuba« geehrte Kämpfer durch seinen Einsatz weitere Anschläge auf Menschen und Einrichtungen seiner Heimat. Er saß dafür mehr als 16 Jahre in US-Haft.

– Der Schriftsteller Alpidio Alonso Grau, Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Abgeordneter der Nationalversammlung (des Parlaments), spricht zum Thema: »Wie die kubanische Revolution auf die aktuellen internationalen und nationalen Bedingungen reagiert.« Alpidio Alonso Grau war unter anderem von 2001 bis 2006 Vorsitzender der Organisation junger Schriftsteller und Künstler »Asociación Hermanos Saíz« und von 2007 bis 2008 Vizepräsident des kubanischen Buchinstituts (Instituto Cubano del Libro).

Roberto Chile, Fotograf und Filmemacher aus Havanna, der Fidel Castro auf Reisen in Kuba und der ganzen Welt jahrzehntelang begleitete, präsentiert die von junge Welt exklusiv veröffentlichte deutsche Erstausgabe des Fotokatalogs »Fidel es Fidel« zur gleichnamigen Ausstellung. Der Katalog enthält auch eine DVD mit bisher kaum bekannten Videos über Auftritte und Wirken des Revolutionsführers. Die Foto-Ausstellung wird nach der Konferenz am 14. Januar um 19 Uhr in der jW-Ladengalerie (Torstraße 6 in Berlin-Mitte) in Anwesenheit des Fotografen eröffnet.

– Der Verlag Wiljo Heinen präsentiert ein druckfrisches neues Buch des jW-Autoren Volker Hermsdorf mit dem Titel »Kuba – Aufbruch oder Abbruch?« Gesprächspartner sind: Der ehemalige DDR-Ministerpräsident Hans Modrow, der ehemalige stellvertretende Minister für Nationale Verteidigung der DDR, Fritz Streletz, und der auf Geheimdienste der USA spezialisierte ehemalige Chefanalytiker im Bereich Auswertung und Analyse des MfS, Klaus Eichner. Berliner Buchpremiere in Anwesenheit des Autors und der Gesprächspartner ist am 19. Januar um 19 Uhr in der jW-Ladengalerie.

– Zum Abschluss der Rosa-Luxemburg-Konferenz lädt Cuba Sí alle Besucher ein, ab 20.30 Uhr im Foyer gemeinsam mit der Band »Proyecto Son Batey« und leckeren Mojitos das 25jährige Bestehen der Organisation zu feiern. Motto: »25 Jahre konkret gelebte politische und materielle Solidarität«. (jW)

  Übernommen aus junge Welt vom 17. Dezember 2015

Venezuela-Veranstaltung 28. Mai 2019 Unblock Cuba Banner 970 200px

Dein Abo gegen Dummheit. Lüge und Hass

Zum Seitenanfang