10.01.2014

Wo ist Rosa?

Countdown zur Rosa-Luxemburg-Konferenz (11)

Dr. Seltsam
Zum Jahreswechsel 1918/19 folgt Rosas größte Tat: Die Gründung der KPD. Ein Raum hierfür ist schnell gefunden, im Preußischen Herrenhaus tagt schon der Berliner Arbeiter- und Soldatenrat in Permanenz, bewaffnete Matrosen bewachen das Haus; in den Festsaal unterm Dach passen die hundert Delegierten aus ganz Deutschland gerade so.

Zu DDR-Zeiten stand der Saal unter Denkmalschutz und es gab eine Gedenktafel, allerdings unterstand das Gebäude dem Grenzregime, so daß kein Normalbürger Zutritt hatte. Jetzt ist alles wegrenoviert.

Die neue Berliner Republik hält es nicht für nötig, an die Gründung der größten linken Partei, an die klügste Politikerin und beste Autorin, die dieses Haus jemals gesehen hat, zu erinnern, Heute ist hier das Berliner Abgeordnetenhaus, Käthe-Niederkirchner-Straße, Saal 306.

Zu Beginn des Jahres 1919 fehlt es der radikalen Linken an realer Macht. Am 4. Januar wird der Berliner Berliner Polizeipräsident Emil Eichhorn (USPD) vom preußischen Innenminister Paul Hirsch (SPD) abgesetzt. Am 6. Januar 1919 erhält Gustav Noske (SPD) das militärische Oberkommando. Er sagt: »Einer muß der Bluthund werden!«

Die letzten bewaffneten Linken besetzen das Zeitungsviertel um die Koch- und Lindenstraße. Später wird dies als »Spartakusaufstand« bezeichnet, auch wenn KPD/Spartakusbund nicht dazu aufgerufen haben. Insgesamt sterben bei den Kämpfen im Zeitungsviertel 156 Linke und 13 Militärs – nach Angaben eines Untersuchungsausschusses des Preußischen Landtags.

Die Redaktion der Roten Fahne arbeitet inmitten der Kämpfe. Rosa lehnt es ab, ins Ausland zu fliehen und taucht verschiedentlich unter, z.B. in der Blücherstr. 13 gegenüber der Heilig-Kreuz-Kirche bei Dr. Bernstein (Anarchist), in der sozialistischen Musterschule Birkenwerder bei der Lehrerin Frieda Winkelmann und in Neukölln bei einer Arbeiterfamilie in der Boddin-/Werbellinstraße (Hinterhaus vier Treppen).

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